Welle oder Teilchen

 

In der Quantenphysik gibt es eine Wellen-Teilchen-Lehre, die absolut mindblowing ist und das Gleiche ausdrückt wie die tantrische Kosmologie: Sie besagt, dass jedes Elektron, jedes Lichtteilchen – ja, im Grunde alles in der Natur – gleichzeitig als ausgedehnte Welle und als punktförmiges Teilchen existiert. GLEICHZEITIG ist ein Schlüsselwort, um die komplexe Kopfnuss des Nicht-Dualismus zu aufzubrechen. In meinen Büchern seid ihr vielleicht dem Begriff Paradox begegnet. Paradox heißt: Zwei verschiedene Wahrheiten sind gleichzeitig gültig, auch wenn das rational keinen Sinn ergibt. Genauso ist es mit dem Welle-Teilchen-Prinzip, dem unterhalb des Offensichtlichen alles im Kosmos unterliegt: Als Welle ist es überall verteilt, verbunden mit allem, unscharf und grenzenlos. Doch in dem Moment, wo es beobachtet oder gemessen wird, „kollabiert“ die Welle zu einem einzigen Punkt – einem Teilchen mit klar bestimmtem Ort.

Das spiegelt sich auf verblüffende Weise in unserem menschlichen Erleben wider. Der Teilchencharakter entspricht unserem gewöhnlichen Ich-Gefühl: ein klar umrissenes, abgegrenztes Selbst mit Namen, Geschichte und Körper – ein „Punkt“ in Raum und Zeit. Wir erleben uns als getrennt von anderen, als einzelne Einheit unter vielen. In Tantra-Sprache: Wir erleben uns in unserer Shakti-Natur, in der Kontraktion und Begrenzung unserer Ego-Identität.

Der Wellencharakter hingegen deutet auf eine tiefere Dimension hin, die Mystiker, Meditationserfahrene und Psychologen als das transpersonale Selbst beschreiben: ein Bewusstsein, das keine festen Grenzen kennt, das sich mit anderen Menschen, der Natur und dem Ganzen verbunden fühlt – aufgelöst in einem größeren Feld des Seins. Auf Tantra übersetzt ist das die Ozeanität unserer Shiva-Natur.

Und wenn du das einmal verstanden hast, macht der seltsame und schwer zu erklärende Begriff Nicht-Dualismus auf einmal Sinn: Im Dualismus bist du entweder Welle oder Teilchen. Shiva oder Shakti. Im Nicht-Dualismus bist du SOWOHL ALS AUCH – Welle und Teilchen zugleich.

Was das nun für uns bedeutet?

Lasst uns die angespannte Kontraktion unseres Teilchencharakters loslassen und wieder mehr Welle sein – frei, fließend, verbunden. Welle zu sein ist der Weg in die Freude, in die Gelöstheit und die Leichtigkeit.

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Jedes meiner drei Bücher befasst sich mit diesem Thema auf andere Art:

YOGA ALS LEBENSKUNST

DAS GROSSE JA ZUM LEBEN!

MIT DEM LEBEN TANZEN